FashionBusiness & Marketing

Dresscodes im Berufsleben: So signalisiert man im Job Kompetenz mit seiner Kleidung

Kleidung ist im Berufsleben kaum eine Frage des Geschmacks. Sie weist dem Träger eine Rolle zu, signalisiert Zugehörigkeit zur Branche und beeinflusst, wie schnell Kompetenz zugeschrieben und akzeptiert wird. Studien zur sogenannten „Enclothed Cognition“ belegen sogar, dass Kleidung die Leistungsfähigkeit des Trägers selbst verändert. Wer die Dresscodes kennt und gezielt einsetzt, erweitert seinen Handlungsspielraum, statt sich unbewusst einschränken zu lassen.

Die vier wichtigsten Dresscodes und ihre Bedeutung

Im deutschsprachigen Berufsleben haben sich vier Kategorien herausgebildet, denen wir in Stellenanzeigen, Einladungen und internen Kleiderordnungen immer wieder begegnen. Business Formal verlangt einen dunklen Anzug in Marineblau oder Anthrazit, ein weißes oder hellblaues Herrenhemd, eine eher konservative Krawatte und schwarze Oxford- oder Derby-Schuhe. So eng ist dieser Dresscode gefasst, dass wir ihn vor allem in Kanzleien, im klassischen Bankwesen, bei Notarterminen und im diplomatischen Umfeld antreffen. Business Professional lockert die Vorschrift etwas. Zulässig sind auch mittelgraue Anzüge, gemusterte Hemden, dezent gemusterte Krawatten. Braune Schuhe, die zum Anzug passen, sind ebenfalls akzeptabel.

Die Krawatte fehlt in der Business-Casual-Definition, die Kombination aus Chino, Hemd und separatem Sakko ist erlaubt. Genau diese Kombination hat sich in den Beratungshäusern, Agenturen und dem gehobenen Mittelstand als der Standard etabliert, weil sie Souveränität mit Bewegungsmöglichkeit verbindet.

Smart Casual geht noch einen Schritt weiter. Hochwertige Strickpullover, dunkle Jeans ohne Waschung und Loafer sind möglich, wenn die Silhouette dabei schön bleibt.

Warum das Sakko im Mittelpunkt steht

Warum das Sakko im Mittelpunkt steht

Kein anderes Kleidungsstück deckt so viele Codes ab. Ein dunkles, ungemustertes Sakko funktioniert im Business-Casual-Meeting am Vormittag ebenso wie im halbformellen Abendtermin. Die Konstruktion macht den Unterschied. Zwei Punkte trennen ein gutes von einem beliebigen Sakko.

  1. Die Schulter: Sie muss an der natürlichen Schulterlinie enden, nicht darüber hinauswachsen. Herabhängende Schulternähte machen auf Bewerbungsfotos, in Videokonferenzen und bei Präsentationen sofort nachlässig.
  2. Die Länge: Die Saumlinie sollte den Po gerade bedecken, kürzere Schnitte wirken freizeitorientiert, längere strecken ungünstig.

Der Stoff sollte aus Schurwolle mit Super-100- bis Super-120-Wert sein, um ganzjährig tragbar zu sein. Höhere Werte bedeuten dünnere Fäden und sind damit auch knitteranfälliger und weniger alltagstauglich. Für den Sommer sind Leinen-Wolle-Mischungen geeignet, für die Wintermonate Flanell oder Tweed.

Branchentypische Regeln beachten

Die Wahl des Dresscodes unterliegt in vielen Unternehmen ungeschriebenen Gesetzen, die sich aus der jeweiligen Branche entwickelt haben. Der Deutsche Knigge-Rat und mehrere HR-Fachverbände dokumentieren regelmäßig, wie sich diese Erwartungen verändern.

In der Finanzbranche gilt auch heute noch die Faustregel, sich an dem bestbekleideten Kunden im Raum zu orientieren. Wer regelmäßig mit Vorständen spricht, benötigt ein gutes Beherrschen von Business Formal, auch wenn er in seinem Kollegenkreis lockerere Formen gewohnt ist. In kreativ-technischen Berufen zeigt sich das Prinzip „dress for the meeting“: Ein Tag am Rechner als Entwickler erfordert keinen Anzug, ein Pitch beim Kunden hingegen mindestens Business Casual.

Im öffentlichen Dienst und im Rechtsberuf bleibt die Erwartung formell. Termine zum Gericht, notarielle Beurkundungen und offizielle Anlässe verlangen nach wie vor einen dunklen Anzug.

Ein ganz wichtiger Punkt ist die Geographie: Frankfurt, München und Hamburg verlangen nach wie vor konservativere Standards als Berlin oder Leipzig. Wer standortübergreifend arbeitet, hält besser gleich ein formelles Set bereit.

Praktische Umsetzung im Alltag

Wer sich eine berufliche Garderobe aufbauen will, kommt mit einer nicht allzu großen Grundausstattung ganz weit. Ein gutes Basicset besteht aus: zwei Anzügen in dunkler Farbe, einem neutralen Sakko zum Kombinieren, fünf Hemden in Weiß und Hellblau, zwei Paar Lederschuhe in Schwarz und Dunkelbraun, einem hochwertigen Ledergürtel passend zu den Schuhen.

Diese Basis lässt sich über Jahre erweitern und deckt alle vier Dresscodes ab. Wichtiger als die Menge ist die Passform. Selbst günstigere Stücke wirken hochwertig, wenn Schulter, Ärmellänge und Hosensaum vom Schneider angepasst wurden. Fertigmaße aus dem Regal treffen nie alle Proportionen gleichzeitig.

Und noch ein Punkt, Pflege: Anzüge und Sakkos werden nach jedem Tragen bei Belüftung auf breiten Formbügeln aufgehängt. Chemische Reinigung macht die Fasern mürbe, sie ist auf zwei bis vier Mal im Jahr zu beschränken. In den Zeiten dazwischen genügen Dampfbürste und regelmäßiges Ausbürsten mit einer weichen Kleiderbürste, um die Silhouette zu erhalten und Gerüche zu neutralisieren.

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