Auf jedem zweiten Campingplatz zwischen Ostsee und Gardasee steht er. Meistens in Sandbeige oder Olivgrün, meistens mit Klapptischchen davor, meistens mit jemandem drin, der gerade stolz erzählt, wie lange er auf sein Fahrzeug gewartet hat.
Der VW Bus ist längst keine Fahrzeugklasse mehr, er ist ein Bekenntnis. Wer einen California vor der Tür hat, hat nicht einfach nur ein Auto gekauft, sondern eine Haltung. Und genau das macht die Sache kompliziert für alle, die einen Kleinbus wollen, aber keine Lust auf das Bekenntnis, die Wartezeit oder den Preis haben.
Denn während die Community weiter über Pop-up-Dächer und Diesel-Werte philosophiert, ist auf dem Markt still und leise einiges passiert. Es gibt Fahrzeuge, die technisch mit dem VW T6 mithalten, teils sogar von denselben Fließbändern kommen wie Konkurrenzmodelle – nur eben ohne das Wappen auf der Motorhaube. Genau darüber redet kaum jemand, weil es dem Mythos nicht guttut.
VW Bus: Der Maßstab, an dem sich alle messen lassen müssen
Der VW Bus – in seiner aktuellen Generation als T6 beziehungsweise als Multivan bekannt – hat sich über Jahrzehnte eine Position erarbeitet, die kein Werbebudget der Welt kaufen kann. Als Nutzfahrzeug gestartet, ist er heute Familienkutsche, Camper und Statussymbol in einem.
Die California-Ausbauten mit Klappdach gelten als Königsklasse des mobilen Wohnens, entsprechend liegen die Preise selten unter 60.000 Euro, mit Ausstattung schnell deutlich darüber. Wer den Namen kauft, zahlt für ihn mit.
Wartezeiten von über einem Jahr sind bei Neuwagenbestellungen keine Seltenheit gewesen, und der Gebrauchtmarkt hat die Knappheit brutal eingepreist. Ein gut erhaltener T6 California kostet gebraucht mitunter mehr, als er neu gekostet hätte. Absurd, aber Fakt.
Der Denkfehler beim Vergleichen
Wer nach einer Alternative sucht, macht oft den Fehler, ausschließlich nach dem Aussehen zu suchen. Dabei entscheidet fast immer die Plattform darüber, was ein Fahrzeug tatsächlich kann – und da wird es interessant, weil unter vielen Karosserien dieselbe Technik steckt.
Lerne die drei clevere Alternativen zum VW Bus kennen

Ford Transit Custom und der Nugget als unterschätzter Rivale
Die erste ernstzunehmende Alternative kommt von einem Hersteller, den in Deutschland kaum jemand mit Campingromantik verbindet: Ford.
Der Ford Transit Custom, in der Personenversion als Ford Tourneo Custom verkauft, ist im Grunde das britisch-deutsche Pendant zum VW Bus – nur mit weniger Sentimentalität und mehr Rabatt beim Händler.
Ford baut mit dem Nugget eine eigene Campingausführung des Tourneo Custom, entwickelt in enger Zusammenarbeit mit einem bekannten Ausbauer aus dem Campingsegment. Klapptisch, Aufstelldach, Kompaktküche – alles da, nur eben zu einem Einstiegspreis, der spürbar unter dem des California liegt.
Wer ehrlich ist, muss zugeben: Der Ford Transit Custom Nugget sieht nicht annähernd so für Instagram-Fotos gebaut aus wie ein California. Fahrdynamisch und im Platzangebot muss er sich aber nicht verstecken.
Opel Zafira Life, Toyota Proace Verso und Citroën Spacetourer
Hier wird es fast schon kurios. Wer einen Opel Zafira Life, einen Toyota Proace Verso, einen Citroën Spacetourer oder einen Peugeot Traveller nebeneinanderstellt, sieht vier verschiedene Logos – und darunter fast identische Technik. Diese Fahrzeuge basieren auf derselben Plattform aus einer Kooperation von Stellantis (vormals PSA) und Toyota, gebaut im selben Werk in Frankreich.
Motor, Fahrwerk und Innenraumkonzept sind bei allen vier Modellen nahezu deckungsgleich, während sich Preis, Garantieleistung und Händlernetz unterscheiden.
Der Opel Zafira beziehungsweise Zafira Life gilt hierzulande oft als der pragmatischste und zugleich günstigste Vertreter dieser Familie – ein Umstand, den viele Käufer schlicht nicht kennen, weil Opel im Kleinbus-Segment nicht laut trommelt.
Der Toyota Proace Verso wiederum punktet mit dem Ruf der Marke in Sachen Langlebigkeit, was bei einem Fahrzeug, das täglich Kinder, Hund und Campingausrüstung transportieren soll, kein unwichtiges Argument ist.
Warum das kaum bekannt ist
Diese Cousin-Technik ist im Grunde ein offenes Geheimnis der Autoindustrie, wird aber selten kommuniziert, weil jede Marke ihr eigenes Profil verkaufen will. Für Käufer heißt das: Wer beim Zafira Life spart, verzichtet nicht zwangsläufig auf Qualität – er verzichtet auf das Prestige eines bestimmten Emblems.
Hyundai Staria als Außenseiter mit Zukunft
Während Ford und die französisch-japanische Plattform-WG eher die vernünftige Wahl sind, bringt der Hyundai Staria etwas mit, das dem VW Bus komplett fehlt: futuristisches Design.
Die Front sieht aus, als wäre sie einem Science-Fiction-Film entsprungen, was in einem Segment, das sonst von bulligen Blechkisten dominiert wird, tatsächlich auffällt. Technisch orientiert sich der Staria an modernen Komfortstandards mit Assistenzsystemen, die man in dieser Fahrzeugklasse vor wenigen Jahren noch gesucht hätte.
Ein Umstieg auf Hyundai ist für viele treue VW-Fahrer trotzdem ein größerer mentaler Schritt als der Wechsel zu Ford oder Opel, einfach weil die Marke im Campingkontext noch keine Geschichte hat.
Genau das kann aber auch ein Vorteil sein: kein Wiederverkaufsdruck durch überzogene Erwartungen, keine Community, die einem erklärt, wie ein „richtiger“ Kleinbus auszusehen hat.
Ein kurzer Seitenblick auf die, die niemand fragt
Kaum jemand erwähnt in diesen Diskussionen den Renault Trafic, den baugleichen Nissan Primastar oder den Fiat Talento – ebenfalls Geschwister derselben Plattform, diesmal aus der Renault-Nissan-Allianz. Sie tauchen selten in Vergleichen auf, weil ihr Markenimage im Privatkundengeschäft schwächer ist als im Gewerbebereich.
Dabei ist der Renault Trafic Combi als Personenvariante technisch solide und im Gebrauchtmarkt oft ausgesprochen günstig zu haben. Wer auf Prestige verzichten kann, spart hier bares Geld.
Auch die Mercedes V-Klasse und ihr Nutzfahrzeug-Pendant, der Vito, gehören in dieses Feld, spielen preislich aber eher in einer eigenen Liga oberhalb des VW Bus – ein Umstand, der viele überrascht, die dachten, Mercedes sei automatisch die teurere, aber vergleichbare Alternative.
Man könnte fast sagen: Der VW Bus lebt von der Vorstellung, konkurrenzlos zu sein. Auf dem Papier ist er das schon lange nicht mehr. Auf dem Campingplatz allerdings, zwischen Klapptisch und Sonnenuntergang, zählt am Ende offenbar doch nicht die Plattform – sondern das Gefühl, das richtige Emblem vor sich zu haben.


